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Afghanistan droht Hungersnot

17. Dezember 2021
Themen:Nahrungsmittelsicherheit
Von:Katharina Höftmann Ciobotaru
org:STELP
In:Afghanistan

Etwa vier Monate ist es her, seitdem die Taliban die Macht in Afghanistan übernommen haben. Praktisch über Nacht sind dem Land Milliarden an Hilfsgeldern verloren gegangen und US-Sanktionen gegen die Taliban haben es weiter isoliert. Der Zusammenbruch der afghanischen Wirtschaft, der darauf folgte und die andauernde Dürre führen dazu, dass die Situationen vieler Afghanen immer prekärer wird.

Die anhaltende Trockenheit hat Felder und Nutztiere hingerafft und unter anderem dazu geführt, dass die Weizenernte in diesem Jahr rund 25 Prozent unter dem Durchschnitt liegen wird. In ländlichen Gegenden, wo rund 70 Prozent der Bevölkerung lebt, haben viele Bauern die Bewirtschaftung ihres Landes aufgegeben.

Nach Angaben des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen werden diesen Winter rund 22,8 Millionen Menschen im Land, mehr als die Hälfte der Bevölkerung, einen potentiell lebensbedrohlichen Mangel an Nahrungsmitteln erleben. 8,7 Millionen Menschen davon leben bereits jetzt am Rande der Hungersnot. Helfer berichten davon, dass viele der kinderreichen Familien sich entscheiden müssten, welches Kind sie überleben lassen.

Die deutsche Hilfsorganisation STELP ist seit einigen Tagen vor Ort, um in den ländlichen Regionen Lebensmittel zu verteilen. „Nach den ersten Tagen der Planung in Kabul konnten wir wichtige Kontakte knüpfen und Preise für größere Bestellungen aushandeln“, berichtet STELP-Gründer Serkan Eren aus Afghanistan. „Seit drei Tagen verteilen wir Lebensmittel ausserhalb der Großstädte in den ländlichen Regionen. Auf dem Land ist die Lage aufgrund der Dürre, wesentlich schlimmer als in den Städten. Die Kinder haben eingefallene Gesichter und entfärbte Haare. Das sind deutliche Zeichen von Unterernährung. Besonders schwer haben es die vielen Kriegswitwen, ihre Familien zu ernähren. Die gilt es zu versorgen.“

Insgesamt vier LKW Ladungen mit Grundnahrungsmitteln konnten in den Dörfern verteilt werden.

„Voraussetzung für den Einsatz war, dass in Kabul überhaupt ausreichend Lebensmittel vorhanden sind. Denn sonst würden wir hier den Händlern etwas abkaufen, was der Bevölkerung in der Stadt dann fehlt. Aber das ist nicht der Fall. Es fehlt den Menschen an Einkommen, um sich Essen zu kaufen“, erzählt Eren weiter.

Bei der Verteilung der Nahrungsmittel haben auch viele afghanische Volontäre geholfen. Die verteilten Pakete können über einen Zeitraum von zwei Monaten jeweils mehr als zehn Personen versorgen.

Artikel geschrieben von:
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Katharina Höftmann Ciobotaru
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Bild: Johannes Müller
© Bild: Johannes Müller
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