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Foodwatch ruft zu Petition gegen Nahrungsmittelspekulationen auf

11. November 2022
Themen:Nahrungsmittelsicherheit
In:Nigeria, Äthiopien, Yemen, USA, Deutschland, South Sudan, Frankreich, Netherlands, Österreich, Indonesien

Die Preise für Grundnahrungsmittel sind auf einem historischen Hoch - Wetten an den Finanzmärkten treiben sie weiter in die Höhe. Seit dem Angriff auf die Ukraine wächst die Spekulation mit Nahrungsmitteln dramatisch – allein in den ersten Kriegstagen flossen Milliarden Euro und Dollar in Fonds die mit Nahrungsmitteln spekulieren. Das treibt die steigenden Lebensmittelpreise zusätzlich in die Höhe: Auf dem Weltmarkt kostet Weizen schon etwa 50 Prozent mehr als zu Beginn des Jahres.

Die Finanzwetten haben sich längst von der ursprünglichen Funktion der Rohstoffbörsen abgekoppelt. Eigentlich sollen sie Landwirt:innen und Agrarfirmen gegen schwankende Preise absichern. Doch inzwischen bestimmen hauptsächlich Fonds und Investmentbanken das Geschehen. Das Problem: Wenn viele von ihnen auf steigende Preise wetten, ziehen die tatsächlichen Preise nach – für alle! Die EU könnte die bestehenden Regeln einfach verschärfen. Nachdem Anleger 2007 und 2008 die Preise schon einmal in die Höhe getrieben hatten, führte die Union Obergrenzen für die Spekulation ein - sogenannte „Positionslimits“. Sie legte also fest, wie viele solcher Finanzwetten Anleger überhaupt abschließen dürfen. Doch diese Obergrenzen sind laut foodwatch viel zu lax, um die exzessive Spekulation wirksam zu begrenzen. Das zeige die aktuelle Entwicklung.

Gleichzeitig überschlagen sich die Warnungen vor Hungerkrisen. In Äthiopien, Nigeria, dem Südsudan und Jemen gilt aktuell die höchste Hunger-Warnstufe. Laut Warnungen der UN droht bis zu 750.000 Menschen der Hungertod. Die Ursachen sind vielfältig und teils schwer zu lösen: Klimawandel, Dürre, Krieg, Corona. Die Zockerei an den Börsen, so foodwatch, könne und muss jedoch beendet werden.

Am 15.November treffen sich die mächtigsten Regierungen der Welt zum G20-Gipfel auf der indonesischen Insel Bali. Mit am Tisch sitzt auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Doch die Hunger-Spekulation steht nicht einmal auf der Agenda. Das will foodwatch mit seiner Petition ändern.

Wenn Mitte November Deutschland die USA und die EU am G20-Tisch sitzen, sollten sie sich dafür einsetzen, die Obergrenzen zu verschärfen. Deswegen haben die foodwatch-Organisationen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich eine gemeinsame Petition gestartet. Sie wollen das Thema in die Medien und auf die Agenda der G20 bringen. Zur Petition.

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