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Israel will Städte aufforsten

26. Januar 2022
Themen:Klimawandel
Von:Katharina Höftmann Ciobotaru
In:Israel
tags:Israel, Klima, Städte

Auch wenn Israel momentan mit dem kältesten Winter seit vielen Jahren zu tun hat, meistens herrscht im Land eher unerträgliche Hitze. Wie der israelische Wetterdienst kürzlich in einer Analyse aufzeigte, hat Israel 2021 in fast jedem Landesteil Hitzewellen erlebt, auch die Zahl der Regentage sei dramatisch zurückgegangen, was ein Problem für Israel Wasserreservoirs darstellt. Zwar war 2021 „nur“ das viertheißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung in den 50er Jahren, aber das vergangene Jahrzehnt, von 2011 bis 2021, war das heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Einige Monate lagen deutlich über dem üblichen Durchschnitt, so hatte das Land noch im November tagelang Temperaturen von weit über 30 Grad gesehen, und dies nicht nur in den Wüsten, sondern auch in den Küstengegenden.

Gemeinsam mit dem Umweltschutzministeriums und dem Wetterdienst hat das ozeanografische und limnologische Institut ein Zukunftsmodell erstellt, dass wenig Grund zu Optimismus gibt: Bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten das Land eine Temperaturerhöhung von 4 Grad, 10 bis 20 Prozent weniger Niederschläge und das vermehrte Auftreten von extremen Wettererscheinungen wie Hitzewellen, Überschwemmungen und einen Anstieg des Meeresspiegels um durchschnittlich 4 mm pro Jahr. „Die Hitze im vergangenen Jahr ist nur ein Vorgeschmack für die Klimaveränderungen, die in den kommenden Jahrzehnten in Israel eintreten werden“, warnte der Direktor des Wetterdienstes, Nir Stav.

Die aktuelle Regierung hat erstmals ein Umweltschutzministerium, das den Namen auch wirklich verdient hat und so ist es begrüßenswert, dass immer mehr Maßnahmen gegen den fortschreitenden Klimawandel ergriffen werden. Das israelische Kabinett hat erst in dieser Woche eine Resolution bestätigt, die eine „Aufforstung israelischer Städte“ fordert, um so dem Klimawandel zu begegnen. In Anerkennung der Tatsache, dass es in Städten im Land an Bäumen und Schattenflächen fehlt, fordert die Resolution, dass in den nächsten 20 Jahren 450.000 Bäume in 100 Gemeinden und Städten gepflanzt werde. Ziel ist es, bis 2040 70 Prozent der Gehwege mit Schatten zu versorgen.

Daten des Geografen Shay Hershko, der die Abholzung von Bäumen im Land dokumentiert, zeigen jedoch, dass im Jahr 2021 etwa 290.000 Bäume im Land gefällt wurden, während sehr viel weniger Bäume gepflanzt wurden. Dabei müsste gerade die Fällung von bereits hoch gewachsenen Bäumen verhindert werden, da diese besonders viel Schadstoffe aufnehmen und Schatten spenden sowie Regenfälle absorbieren.

Umweltschützer im Land begrüssten die Resolution zwar, sahen aber vor allem in der Implementierung einige Probleme: So sei u.a. die Finanzierung der Aufforstung, die etwa 2,5 Milliarden Schekel kosten wird (690 Millionen Euro) noch nicht klar. Für die Erstellung von Plänen, wo wieviele Bäume stehen, sind die Behörden mit gerade einmal 500.000 Schekel (ca. 140.000 Euro) pro Jahr ausgestattet. Auch dem Umweltschutzministerium stehen nur wenige Millionen Schekel im Jahr zur Verfügung. Der wirtschaftliche Nutzen, der aus dem Pflanzen von Bäumen entsteht, wird wiederum auf mehrere Milliarden Schekel geschätzt.

Artikel geschrieben von:
ecco_katharina_hoeftmann
Katharina Höftmann Ciobotaru
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